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Nibelungenstadt Worms 08.05.2016

Veröffentlicht am 09.05.2016

Es hat alles geklappt und nicht nur das, es war eine schöne Tour. Bilder zur Tour findet ihr in der Spalte Blog/Radtouren/Gästebuch. Wenn ihr Bilder habt, könnt ihr sie mir schicken. Und vielleicht bekomme ich ja auch das Hochzeits-Überraschungs-Video geschickt, das kommt dann auch dort hin. Wenn ihr was bemerken wollt, könnt ihr das in der Kommentarfunktion tun ...

Abfahrt KA HBF 8:08 nach Ludwigshafen

(Abfahrt KA HBF 8:25 nach Mannheim)

(Alternative KA HBF S3 8:27 über Bruchsal - HD nach MA, siehe unten)

Treffpunkt 7:45 vor der Buchhandlung, damit ich weiss, wieviele Rheinland-Pfalz-Tickets ich definitiv brauche. Deshalb sollte man mich vorher anmailen, damit ich den Überblick habe.

Achtung: da sich schon viele angemeldet haben, habe ich den Zeitpunkt, an dem wir uns treffen, auf 7:45 vorverlegt. Damit haben wir zwei Züge zur Auswahl 8:08 SÜWEX nach Ludwigshafen, 8:25 nach Mannheim (9:19 Ankunft).

Wir gehen dann vor 8 Uhr zum Bahnsteig, wahrscheinlich 4, um mit dem SÜWEX alle nach Ludwigshafen zu fahren. Falls nicht alle Fahrräder in diesen Zug passen, fährt eine 2. Gruppe mit dem anschliessenden Zug auf dem selben Bahnsteig nach Mannheim.

Ich selber fahre auf jeden Fall mit der SÜWEX-Gruppe nach Ludwigshafen und wir radeln von dort zum HBF Mannheim, wo dann die 2. Gruppe ankommt.

Da wir um 8 Uhr nicht mehr unten an der Buchhandlung sind und ich wissen muss, wieviele definitiv mitradeln, bitte schon um 7:45 an der Bahnhofsbuchhandlung eintreffen :-) !!

==> Weiterer Hinweis zur Rückfahrt

==> (siehe auch anschliessend Alternative S3 für die Hinfahrt)

Rückfahrt HBF Mannheim: Zurück fahren wir um 18:40 Gleis 10 Mannheim HBF über Graben-Neudorf. Diese Strecke ist durch das Rheinland-Pfalz-Ticket abgedeckt. Normalerweise, so auch letzten Sonntag, wird dieser Zug mit einer weiteren Regionalbahn gekoppelt. Damit müsste Platz für alle sein.

Damit wir auch die S3 auf dem Nachbargleis 9, die über HD - BR - KA fährt, zum eventuellen Aufteilen nutzen können, werde ich auch ein BW-Ticket nutzen. Dieses ist ideal, wenn man in Durlach aussteigen will. Mit diesem kann man auf der Rückfahrt allerdings nicht von Worms - Ludwigshafen fahren, falls jemand diesen Teil mit dem Zug fahren wollte.

Ich selber fahre mit dem Rad auf dem Rückweg bis zum HBF Mannheim.

Das nur als Hinweis zum Nachdenken, am Sonntag morgen auf Gleis 4 sind schnelle Entscheidungen nötig. Auf den Fahrkarten müssen die Namen eingetragen werden, deshalb gelten diese Entschlüsse dann für die ganze Fahrt.

==> Alternative mit der S3 von Karlsruhe nach Mannheim

Hinfahrt Alternative S3: Zusätzlich fährt um 8:27 auf Gleis 8 die S3 über Durlach - Bruchsal - Heidelberg nach Mannheim. Diese Strecke bietet sich an für Mitradler, die an der Bruchsaler Strecke wohnen oder keinen Platz mehr in den oben beschriebenen Zügen bekommen.  Wer diese Alternative wählt, bitte bei mir melden (SMS an 0172 7110643), damit wir in Mannheim auf dem Bahnhofsvorplatz auf sie warten. Die S3 kommt in Mannheim um 9:29 an.

Wir radeln von Ludwigshafen - Mannheim, am Wasserturm vorbei zum Neckar. Bei der Kammerschleuse mündet der Neckar in den Rhein. Am Pfälzer Ufer ist die BASF. Mit der Altrheinfähre setzen wir später über und radeln über das Naturschutzgebiet Biedensand nach Worms. Nibelungenbrücke, Synagoge, Lutherdenkmal, Dom St. Peter, heiliger Sand, der älteste jüdische Friedhof Europas (11. Jh). Zurück geht es dann über Frankenthal mit seinen 2 Triumphbögen nach Ludwigshafen, Mannheim.

Worms ist eine der ältesten Städte Deutschlands, aber um diesen Titel streiten sich einige Städte. Trier nennt sich die älteste Stadt Deutschlands, nachweislich etwa 2000 Jahre alt. Nach der Gründungssage wurde sie aber schon 1300 Jahre vor Rom gegründet und wäre damit 3600 Jahre alt. 1984 hat Trier sein 2000-jähriges Jubiläum gefeiert, da 16 v.Chr die Römer Augusta Treverorum gegründet haben. Um den Titel „Älteste Stadt Deutschlands“ streiten sich aber auch Augsburg, Kempten, Köln, die alle auch über 2000 Jahre alt sind. Worms wurde erstmals 5000 vor Christus in der Jungsteinzeit besiedelt, aber als Stadt kann man Worms auch erst seit der Römerzeit bezeichnen. Worms hat aber als einzige Stadt einen offiziellen Status, da es die einzige deutsche Stadt ist, die Mitglied im „Most Ancient European Towns Network“ ist. Auf unserer Tour verlassen wir Mannheim am Neckar entlang, hinter der Kammerschleuse mündet der Neckar in den Rhein und am gegenüberliegenden Pfälzer Ufer sind die Industrieanlagen der BASF. Wir radeln über die Friesenheimer Insel, setzen mit einer über 100 Jahre alten Fähre über einen Altrheinarm und weiter geht es am Rhein entlang bis wir im Naturschutzgebiet Biedensand in Lampertheim Hessen erreichen. Jetzt ist es nicht mehr weit, am Horizont kann man schon die Türme nicht nur des Doms erkennen. An der Nibelungenbrücke erreichen wir dann Worms. Bei einem Schlenker zur Uferpromenade erwischen wir gerade Hagen, wie er das Rheingold in den Strom kippt. Und der Drache, in dessen Blut Siegfried dereinst gebadet hatte, begegnet einem in der Stadt allenthalben. Worms ist gespickt mit Geschichte, für unsere Tour werden wir uns nur einige Rosinen rauspicken können. Bischof Burchard (1000) haben wir die meisten Kirchenbauten zu verdanken, den Dom St. Peter, St. Paul, St. Andreas, St. Martin und viele andere, sowie die Stadtmauer. St. Paul ist auf den Grundmauern der Salierburg errichtet, diese hatte Burchard von Heinrich als Dank für die Unterstützung bei der Königswahl erhalten und war damit alleiniger Stadtherr. Der Kaiserdom St. Peter wurde auf einem früheren kleinen Dom aus der Frankenzeit errichtet. Zusammen mit Speyer und Mainz bilden die 3 romanischen Kaiserdome eine weltweit einzigartige Situation. Sie sind jeweils ca. 50 km voneinander entfernt. Besondere Betrachtung verdient die steinerne Bilderbibel am Südportal. Hier sind markante Stellen des alten und neuen Testaments bildlich dargestellt, da die Leute im allgemeinen Latein nicht lesen konnten. Über dem ganzen ist die Allegorie Ecclesia, auf einem Tetramorph reitend.

Kirchenvater Irenäus von Lyon: „Wie die vier Weltecken das Himmelsgewölbe tragen, so tragen die vier Evangelien die Kirche“. 

Dieser Gedanke ist eindrucksvoll in Stein gemeißelt am Wormser Dom: Die vier Evangelisten, dargestellt als Tetramorph, als Vierwesen, tragen die Ecclesia, die Kirche, in Gestalt einer Frau. Deutlich sieht man die vier Angesichte. Von unten nach oben: Adler, Löwe, Stier, Mensch. Deutlich sieht man auch die vier verschiedenen Beine: vorne rechts Mensch, links Stier, hinten rechts Löwe und die Adlerklaue links. Eine mächtige, bedeutungsschwere Allegorie! Die 4 Wesen sind aus der Offenbarung des Johannes die Wesen des Throns.

Ihre Bedeutung wird sogar noch gesteigert, wenn man bedenkt, dass nicht weit davon entfernt seinerzeit Martin Luther vor dem Kaiser stand und seine Thesen verteidigte mit dem Grundsatz „sola scriptura“ , d. h. „allein durch die Schrift“ und meint: Nur wo und solange Kirche getragen ist von den Evangelien und damit vom Wort Gottes, ist sie wirklich Kirche.

der Mensch des Matthäus      für die Menschwerdung Christi
der Stier des Lukas                   für den Opfertod Christi 
der Löwe des Markus              für die Auferstehung Christi
der Adler des Johannes           für die Himmelfahrt Christi.

Die Symbole sagen also nichts aus über die Verfasser der Evangelien, sondern über Christus, den sie verkündigen.

Quelle:  Heinrich u. Margarethe Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst

Das Kaiserportal im Norden ist berühmt durch die Kaisertreppe auf der Krimhild und Brunhild im Nibelungenlied ihren Streit ausgetragen haben. Krimhild, die Schwester des Burgundenkönigs Gunther war mit Siegfried von Xanten verheiratet, Brünhild aus Island mit Gunther. Brünhild hatte magische Kräfte, solange sie Jungfrau war, deshalb hätte sie sich nur einem Mann hingegeben und untergeordnet, der sie besiegen kann. Gunther war dazu weder im Dreikampf noch im Bett in der Lage. Siegfried hatte nach Siegen im Zweikampf gegen Nibelungenkönige ausser dem sagenhaften Hort, den Zwerg Alberich bewachte, auch dessen Tarnkappe erobert. Unsichtbar unter dieser Tarnkappe bezwang er Brünhild, während sie dachte, es wäre Gunther. Als Beweis hatte Siegfried den Ring und Gürtel Brunhilds unbemerkt mitgenommen und Krimhild geschenkt, um ihr zu erklären, wo er in der Nacht nach der Hochzeitsnacht war. Brünhild hatte auch nach Jahren immer wieder Zweifel, dass sie betrogen war, weil am Hof in Worms Siegfried gleichrangig wie Gunther behandelt wurde, wo doch angeblich bei der Brautwerbung auf Island Siegfried der Gefolgsmann von Gunther war. Bei dem Streit auf der Kaisertreppe beschimpfte Brünhild zuerst Krimhild als Frau eines Leibeigenen und Krimhild parierte darauf, dass Brünhild dann die Kebse eines Leibeigenen ist. Als Brünhild einen Beweis für diese ungeheuerliche Behauptung forderte, zeigte Krimhild ihr Ring und Gürtel. Brünhild forderte daraufhin von Siegfried eine Erklärung oder einen Eid, dass das nicht stimmt. Gunther, der ja wusste, dass Siegfried ihn zwar unterstützt hatte, aber die Ehe er selbst vollzogen hatte, entband Siegfried vom schwören. Siegfried versuchte zu schlichten, indem er das ganze als eifersüchtigen Zickenkrieg abtat und Krimhild bestrafte. Aber das Unheil war nicht mehr aufzuhalten …
Geschichtlich war dieser Streit auf der Kaisertreppe allerdings unmöglich, da es den Dom zur Zeit der Nibelungen noch gar nicht gab.

Zur Geschichte des Kaiserdoms St. Peter

 

Westlich davon jenseits des Stadtgrabens liegt der Jüdische Friedhof „Heiliger Sand“, der grösste und älteste (11. Jahrhundert) jüdische Friedhof Europas. Die Anlage ist äusserst interessant, mich hat fasziniert, dass man anfangs an kreuz und quer stehenden Grabsteinen mit Hebräischen Inschriften vorbeikommt und im hinteren Teil die Grabmale „ordentlich“ in Reih und Glied stehen, von der Aufmachung und Beschriftung (jetzt in deutsch) sehr stark den christlichen Gräbern nachempfunden sind. Wenn man im Stadtgraben Richtung Norden geht, kommt man grossen Denkmal vorbei, das primär den Reichstag von Worms zugrunde liegen hat, auf dem Luther seinen Thesen abschwören sollte, aber es lohnt sich die verschiedenen Figuren mit den Texten anzuschauen, an sich wird mit diesem monumentalen Denkmal ein Bogen zu den wichtigen Entscheidungen, die mit dem Namen Worms verbunden sind, hier der Reichstag zu Worms mit dem Wormser Edikt gegenüber dem Dom auf der der anderen Seite mit dem Wormser Konkordat, wo abgesteckt wurde, inwieweit weltliche und geistliche Macht aufeinander Einfluss nehmen dürfen. Hier noch ein Hinweis auf die 3 Allegorien des Denkmals:
Die protestierende Speyer: 8 Jahre nach dem Reichstag von Worms gab es 1529 den Reichstag von Speyer. Zuvor forderten die Luther anhängenden Fürsten, die Reichsacht gegen Luther zu revidieren. Bis zu einer endgültigen Klärung auf einem Konzil sollte ein Kompromiss gelten, der Reichsabschied von 1526, eine Art Status quo beibehalten wird, die die am Wormser Edikt bis jetzt festgehalten haben, sollten dies weiter tun, in den Landschaften, wo man davon abwich, sollte es weiterhin so möglich sein, es sollte aber auch dort weiterhin möglich sein, Messen zu lesen. Nach heftigem Hin und Her auf dem Reichstag in Speyer, in der jede Seite immer wieder den Saal verliess, kam es zum Mehrheitsbeschluss, mit dem der Reichsabschied angenommen wurde. Die Evangelischen Fürsten verfassten daraufhin eine Protestschrift, dass sie sich dem Mehrheitsbeschluss nicht beugen, sondern jeder nach seinem Gewissen und Gott gegenüber handeln soll. Seit dem heisst die reformatorische Bewegung „Protestanten“. Die Augsburg mit der Friedenspalme: nimmt Bezug den Augsburger Religionsfrieden vom Reichstag von Augsburg 1555, in dem der Confessio Augustana von 1530, eines grundlegenden Bekenntnisses der Lutherischen Stände dauerhaft ihre Besitzstände und freie Religionsausübung zugestanden wurde. Vereinfacht gesagt, wurden die grundlegenden Bedingungen für eine friedliche und dauerhafte Koexistenz zwischen Luthertum und Katholizismus im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation festgelegt mit der Formel „Cuius regio, eius religio“, mit dem gleichzeigen Recht, das Land verlassen zu dürfen, wenn man die Religion des Landesherrn nicht übernehmen wollte, dem „jus emigrandi“. Eine Vereinigung der beiden Religionen wurde dabei nicht ausgeschlossen. Neben den einfachen Grundregeln enthielt das Vertragswerk aber eine Menge komplizierter und sich auch widersprechender Regeln, die wiederum theologische Kontroversen nach sich zu, neue Probleme aufwarf, alte latente Problem nicht lösen konnte und so nach einer relativ langen Friedensperiode bis 1618 dann aber doch zum Dreißigjährigen Krieg führte.
Die trauernde Magdeburg: nimmt Bezug auf die Zerstörung und Plünderung Magdeburgs (1631) im Dreißigjährigen Krieg durch die Katholische Liga unter Johann t’Serclaes von Tilly.
Und hier noch ein Deutung, warum Speyer, Augsburg, Magdeburg von Frauen dargestellt werden. Diese 3 Ereignisse sind als Allegorien dargestellt. Allegorien sollen personifiziert „etwas anderes ausdrücken“. Allegorien sind die Justitia mit den verbundenen Augen und der Waage, die Helvetia für die Eidgenossen, die Austria für Österreich, die Germania für das Deutsche Reich, Borussia für die Preussen, Britania für die Briten, Bavaria für die Bayern, Marianne für Frankreich, Lady Liberty für USA, ... und so weiter, die Allegorien sind immer weiblich, und deswegen sind die 3 Allegorien in Worms ebenfalls weiblich. Wenn man weiter radelt, ist es auch nicht mehr weit zu weiterer jüdischer Geschichte, man kommt in die Judengasse. Die dortige Synagoge mit unterirdischer Badeanlage kann man besichtigen. Sie wurde nach der Zerstörung in der Reichsprogromnacht 1938 im Jahr 1961 wiedereröffnet. Worms selber hat keine eigene jüdische Gemeinde mehr, sie gehört zur Gemeinde Mainz.